Gerd Gehrmann, Klaus D. Müller, Uwe Säuberlich: Familie im Stadtteil
hinzugefügt: 22-10-2008
Methodenhandbuch. Prävention familiärer Gewalt gegenüber Kindern. Basierend auf der Auswertung des Erfolgsmodells Bremerhaven. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2008.
224 Seiten, kartoniert
24,90 EUR [D] / 43,70 SFr

ISBN 978-3-8029-7510-3

Jede/r kennt die Schlagzeilen der letzten Jahre, in denen es um vernachlässigte, misshandelte oder getötete Kinder ging. Kinder, die innerhalb der Familie unvorstellbares Leid bis hin zur Todesfolge erfahren haben. Was bleibt ist die Frage nach dem “warum - wie konnte das passieren”?. Eltern sind häufig überfordert, weil sie ihnen Erziehungs- und Betreuungskompetenzen fehlen. In Stresssituationen fühlen sie sich hilflos und reagieren z.B. mit körperlicher Gewalt. Zum großen Teil auch weil sie in der eigenen Kindheit keine alternativen Konfliktlösungsstrategien erlernt haben. Die Zahl der überforderten Familien steigt. Die Behörden, insbesondere das Jugendamt, steht diesem Problem so gut wie machtlos gegenüber, weil in vielen Kommunen die finanziellen und personellen Mittel fehlen, um im Bereich der familiären Gewalt präventiv wirksam zu werden.

Das Buch “Familie im Stadtteil” von Gehrmann u.a. stellt ein Projekt vor, das genau hier vorbeugen will, da auf zusätzliche Ressourcen, die auch in finanzschwachen Kommunen existieren, zurück gegriffen wird:

Freiwillige und Netzwerke

Freiwilligenarbeit und Netzwerkarbeit sind die beiden Standbeine auf die Projekt “Familie im Stadtteil” (FIS) in Bremerhaven aufbaut.. Ziel des Projektes ist seit 2005 jungen Familien und Alleinerziehenden mit kleinen Kindern niederschwellige Hilfe anzubieten. Nachbarschaftliche Hilfen werden von Freiwilligen unter der Anleitung von SozialarbeiterInnen angeboten, so dass die Familien hauswirtschaftlich und erzieherisch entlastet wird und stressbedingter Gewalt gegenüber Kinder vorgebeugt werden kann.

Deutlich wird, wie zunehmend wichtig die Freiwilligenarbeit in der Sozialen Arbeit wird. Dass diese aber professionell begleitet werden muss, um die erhoffte Entlastung der Hauptamtlichen zu erreichen, aber kein Konkurrenzgerangel entstehen zu lassen.

Gehrmann, Müller und Säuberlich, die das Projekt auch wissenschaftlich begleitet haben, stellen in ihrem Buch ausführlich die Idee hinter dem Projekt, die Realisierung und den Erfolg des Projektes dar.. Zudem werden auch Instrumente und Arbeitshilfen vorgestellt, so dass es für Praktiker der Sozialen Arbeit eine ideale Arbeitsgrundlage bietet, die bei der Planung eines vergleichbaren Projektes für die Gewaltprävention in ihrem Bereich zu nutzen ist.

Rezension von Dörthe Heien