Hofer, S.: Psychologie für Coaches, Berater und Personalentwickler
hinzugefügt: 14-11-2017
Verlag: Beltz 2017, 287 Seiten

ISBN: 978-3-407-36649-8

Fundierte Erläuterungen zu Grundlagen der Psychologie

Arbeitet man professionell mit Gruppen oder Einzelpersonen im Sinne einer Beratung, eines Coachings oder im engeren und weiteren Rahmen der Personalführung, dann reicht das berühmte „Bauchgefühl“, eine oftmals nur „eingebildete gesunde Menschenkenntnis“ nicht aus (im Übrigen gilt dies auch außerhalb der genannten professionellen Bereiche ganz allgemein im allzu oft überaus wertenden Umgang untereinander).

Zu schnell mit einem möglichen Ergebnissen bei der Hand sein (weil eine gründliche Beschäftigung mit Menschen zu mühselig erscheinen mag), sich blenden lassen vom (oberflächlich) „überzeugenden Auftritt“ samt dazugehörender und seit langen Jahren (nicht selten unbewusst sogar) eingeübter „“Selbstinszenierung“ anderer, nicht zu bemerken, wenn man in die Falle der „Übertragung“ tappt und die Situationen als Coach oder Berater ganz eigene, kaum zu stoppende Gleise befahren oder auch, umgekehrt, der Falle der eigenen „Projektionen“ anheimfallen, es gibt vielfache Stolpersteine im Rahmen der professionellen Arbeit an und mit der Entwicklung und Entfaltung anderer Menschen.

Solide und informierend stellt Svenja Hofert im Buch dabei nicht nur die grundlegenden therapeutischen Systeme und der Praxis vor, verweist nicht nur ebenso grundlegende psychologische Erkenntnisse über „den Menschen“, sondern bietet ebenfalls eine einfach zu verstehende Übertragung auf Beratungs- und Coaching-Situationen (Was wirkt wann und wie?).

„Schließlich ist es zu vermuten, dass eine wirksame Therapieform auch in ihrer Coaching-Ableitung hilft“.

So versteht es das Werk, dem Leser vielfache „Blicke über den Tellerrand“ der je eigenen Ausbildung hin zu ermöglichen und diese fachkundig in praxisrelevante Hilfen zu übersetzen Wobei auch in Form der grafischen Gestaltung an den richtigen Stellen zusammenfassende, farbliche abgesetzte Tabellen jederzeit den raschen Überblick gewährleisten.

Ob nun Analyse nach Jung, Gesprächstherapie, lösungsorientierte Kurzzeittherapie (sicherlich eines der erste Mittel der Wahl zu Beginn von Beratungen und Coachings), systemische Familientherapie oder Transaktionsanalyse und anderes mehr, die relevanten Methoden finden sich im Buch in ihren Grundlagen verständlich dargestellt wieder und werden, Schritt für Schritt, in hilfreiche Instrumente für die eigene Praxis „überführt“.

Was eine höchst sinnvolle Lektüre darstellt, denn Hofert stellt die Modelle der Psychotherapie, von denen nicht wenige sich widersprüchlich anderen Modellen gegenüber zeigen und zwischen denen eine geraume Zeit ideologischer und methodischer „Dissonanzen“ bereits stattgefunden hat, als „mehrere Seiten der einen Medaille“ (hilfreich sein zu wollen) dar.

„Entscheidend ist am Ende die Situation des Patienten oder Klienten“.

Für diese Situation und Motivation des individuellen Klienten bietet Hofert einige Hinweise zur diagnostischen Klärung und plädiert sodann für die dementsprechenden, Erfolg versprechende Herangehensweise. Für die man zumindest in Grundzügen die verschiedenen Ansatzpunkte und Problembewältigungsstrategien der verschiedenen psychotherapeutischen Modelle im Hinterkopf haben sollte.

„Ich möchte gerne Zweifel säen (an felsenfesten Überzeugungen, die vielleicht bereits seit Längerem nicht mehr mit dem Denken anderer Richtungen abgeglichen wurde). Nicht um etwas zu verurteilen, sondern um die Sinne zu schärfen“-

Ein Anliegen, dass Hofert mit diesem verständlichen und übersichtlichen Werk geglückt ist und mit dem sie viele neue Optionen an Haltung, Reflexion der eigenen Tätigkeit und Instrumentarium für diese Tätigkeit versieht.

Rezensent: Michael Lehmann-Pape